Beste Voraussetzungen für ein schönes Fest - Festmutterbitten

Quelle: Landshuter Zeitung, 28. Juli 2006

Festmutterbitten Bild 1Festmutterbitten Bild 2 
Die Wunschkandidatin Maria Pirkl gibt dem Werben des Feuerwehrvorstandes Andreas Kaltenbacher nach und verkündet nach längeren Verhandlungen und zahlreichen Bedingungen ihr „Ja" zur Festmutter.

Maria Pirkl ist Fahnenmutter der Feuerwehr zum 100-jährigen Gründungsfest

 

Zweikirchen, 28. Juli 2006

 

Das 100-jährige Gründungsfest der Feuerwehr soll im kommenden Jahr zu einem unvergesslichen Fest werden. Der Anlass braucht dazu nach Sitte und Brauch eine rührige Fahnenmutter: Deswegen klopften die Männer der Wehr am Wochenende bei ihrer Wunschkandidatin Maria Pirkl an und gingen nicht vor dem erhofften „Ja" nach Hause.

Der gesamte Feuerwehrverein machte sich auf den Weg, bepackt mit Blumen und einem geschmückten Leiterwagen, begleitet von den Frauen und Freundinnen, der Ehrenfahnenmutter Marianne Strasser und den künftigen Festdamen. Dazu gesellte sich dann noch Tiefenbachs Bürgermeister Georg Schmerbeck -rein prophylaktisch. Schließlich hat man ja noch keinen Schirmherrn bestellt.

Angeführt durch Willi Eder von den Haunwanger Musikanten wurde probeweise schon einmal ein strammer Marsch bei Sommersonnenhitze probiert, natürlich in Feuerwehrmontur. Denn wenn der „Draht nach oben" funktioniert, liebäugelt man auch beim Jubelfest mit besten Wetterverhältnissen. Dafür ist dann auf alle Fälle der Schirmherr zuständig.

In Gedichtform trug Vorsitzender und Festausschussvorsitzender Andreas Kaltenbacher das Anliegen seines Vereins vor: „Der Festausschuss hat sich Gedanken gemacht und dabei an dich, liebe Maria gedacht." Und weil er ihr durchaus beste „Fahnenmutterqualitäten" zutraute, formulierte er weiter: „Willst du bei unserm Fest die Ehre auf dich nehmen und Festmutter sein, dann lass dich ned lang betteln und schlag einfach ein".

Aus der Hoffnung, eine möglichst rasche Zusage zu erhalten, wurde aber vorerst nichts. Die Wunschkandidatin äußerte jede Menge Zweifel, ob der Festausschuss überhaupt in der Lage sei, ein so großes Fest auszurichten. Auf alle Fälle müsse sie im Vorfeld Teamfähigkeit, Geselligkeit und Geschicklichkeit testen. Und sie machte es den Männern nicht leicht, zahlreiche knifflige Bedingungen zu erfüllen.

Zuerst musste in langwieriger Hand- und Fußarbeit - mit zusammengebundenen Beinen auf Holzbrettern tretend und in Säcken hüpfend Löschwasser aus dem Gartenteich beschafft werden. Noch schwieriger gestaltete sich für den Löschtrupp dann das Löschen brennender Kerzen mittels 50- und 20-Milliliter-Einwegspritzen.

Dass dabei zahlreiche Zuschauer und die Männer selber unfreiwillige Wassergüsse abkriegten, war bei den hochsommerlichen Temperaturen eher angenehm. Das Spaghetti-Essen mit Stäbchen und verbundenen Augen brauchte allerhand Geschicklichkeit, und anderntags trotz umgebundener Lätzchen wohl eine Generalreinigung der Hemden in Hellblau.

Nach gut einstündiger Prozedur waren alle brenzligen Aufgaben mit Bravour gemeistert und Maria Pirkl gab ihr „Ja" als künftig fungierende Festmutter. Bei Speis und Trank, in mehreren Verpflegungsmeilen im riesigen Garten angerichtet, wurde die neue Fahnenmutter bis weit in die Nacht hinein gefeiert.

Wie schon so oft wurde der schöne Zusammenhalt der kleinen Dorfgemeinschaft in der Gemeinde Tiefenbach und die harmonische Begegnung von Jung und Alt auf eine Weise praktiziert, die in heutiger Zeit nur mehr wenigen Ortschaften inne haben.

 

>> weitere Bilder zum Festmutterbitten <<