Muskelkraft und Köpfchen - Schirmherrnbitten

Quelle: Landshuter Zeitung, 11. Oktober 2006

 

Schirmherrnbitten 
 

Festausschuss, Festmutter und Ehrenfahnenmutter erkämpften sich beharrlich das „Ja" des Schirmherrn.


Feuerwehr hatte Erfolg beim Schirrmherrnbitten: Bürgermeister willigte ein

Tiefenbach/Zweikirchen, 11. Oktober 2006

 

Logischerweise wünscht sich jeder Verein für seine Festivitäten ein Gelingen ohne Pannen, einen Himmel in den Landesfarben und dazu noch Sonnenschein. Auch die Freiwillige Feuerwehr Zweikirchen will ihr 100-jähriges Gründungsfest im Juni 2007 möglichst ohne Regenschirm feiern. Da für die Wetterverhältnisse an großen Festen - so sagt man - immer der Schirmherr zuständig ist. klopften die Männer der Wehr am vergangenen Wochenende bei Bürgermeister Georg Schmerbeck an, um ihn für dieses Amt zu gewinnen.

Ein geschmücktes Fass Bier sollte die Zusage des Bürgermeisters forcieren. Damit ausgerüstet zog der gesamte Festausschuss in Begleitung der Festmutter Maria Pirkl und der Ehrenfahnenmutter Marianne Strasser, allen voran Willi Eder von den Haunwanger Musikanten an der Ziehharmonika, zum Wohnhaus des Gemeindechefs. Beim Anblick der Uniformierten erklärte Schmerbeck erstaunt. er hätte keinen Brand gemeldet.

Da ihm Gastfreundschaft aber wichtig ist, schlug er vor, dass die Frauen aus den bereitgestellten Kartoffeln und Äpfeln „Erdäpfelmaultaschen'' zubereiten könnten. Die kräftigsten Männer hatten schwer zu schleppen: In den Kisten lagerten nicht nur Gemüse und Obst, untergründig waren sie mit vielen Steinen beschwert.

Festmutter Maria Pirkl trug sofort das Anliegen des Vereins vor: ,,Wir haben einen großen Schmerz, uns liegt etwas arg am Herz. Und weil des koana besser kannt, haben wir uns an den Bürgermeister als Schirmherr gwandt". Natürlich ist er sich der Ehre bewusst, meinte Schmerbeck, aber bevor er „Ja" sagt, muss er schon die Würdigkeit der Zweikirchner testen.

Ein „Balkonbrand" (in der Blechwanne) musste statt B- und C-Schlauch mittels „Bierzutzelmaschine" möglichst schnell gelöscht werden, was den Männern in rasantem Tempo gelang. Aus der Hoffnung, eine möglichst schnelle Zusage zu erhalten, wurde dennoch nichts. Da halfen dann auch das frisch gezapfte Fassbier und der mitgebrachte feuerwehrrote Regenschirm nichts, denn „ein Bürgermeister ist nicht bestechlich".

Weil Schokolade Männerherzen erweichen soll, probierte es die Festmutter mit einem „süßen Herz in aller Würd, selber gebacken und verziert". Der Garant für ein gelungenes Fest testete jetzt das Allgemeinwissen der Gäste. Feuerwehr- und Gemeindedaten wussten die Männer wie aus der Pistole geschossen zu beantworten. Im Vorfeld versuchte man auch, die Ehefrau des Schirmherrn in spe, Christine Schmerbeck, mit einem riesigen Blumenstrauß gütig zu stimmen.

Endlich kam das zustimmende „Ja" und darauf freudiger Applaus. Bei Entenbraten, serviert von der Schirmherrngattin, und Torten war die Stimmung bis weit in die Nacht hinein hervorragend. Am 27. Oktober begibt sich die Zweikirchner Wehr auf die Suche nach einem geeigneten Patenverein in den Nachbarort.

In Gedichtform trug Vorsitzender und Festausschussvorsitzender Andreas Kaltenbacher das Anliegen seines Vereins vor: „Der Festausschuss hat sich Gedanken gemacht und dabei an dich, liebe Maria gedacht." Und weil er ihr durchaus beste „Fahnenmutterqualitäten" zutraute, formulierte er weiter: „Willst du bei unserm Fest die Ehre auf dich nehmen und Festmutter sein, dann lass dich ned lang betteln und schlag einfach ein".

 

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