Beim Bierzutzeln kam das erlösende „Ja“ - Patenbitten

Quelle: Landshuter Zeitung, 3. November 2006

Patenbitten der FFW Zweikirchen in Windten - Viele Aufgaben erfüllt

Windten/Zweikirchen, 03. November 2006

 

Wer für ein großes Fest einen Paten werben will, der muss beredte Überzeugungs-kraft beweisen und jede Menge Zeit mit­bringen. Das musste am Freitag auch die Feuerwehr Zweikirchen erfahren, als sie bei der Nachbarswehr Wind-ten um die Übernahme der Paten­schaft für das 100-jährige Grün­dungsfest im nächsten Jahr anfragte. Applaus begleitete das weit in die Nacht dauernde Programm für das die Vereinsvorstandschaften ein re­gelrechtes Drehbuch erstellt hatten.

Treffpunkt der schweren Verhand­lungen war das Gasthaus Hachelstuhl, das förmlich aus allen Nähten platzte. Neben den Männern der bei­den Wehren, den Ehefrauen und Freundinnen waren auch die Dorfbe­wohner der beiden Orte angerückt. Noch bevor die Gäste nach altem Brauch in den Saal „einigspuit" wur­den, mussten sie einen Brand mittels durchlöcherter Minigießkannen lö­schen. Gekonnt und geübt war dieser Auftrag im Nu erledigt.

Das besondere „Grüß Gott" galt der Festmutter des Jubelvereins Ma­ria Pirkl, der Ehrenfahnenmutter Marianne Strasser, den Festdamen aus Windten und Zweikirchen, der amtierenden Windtener Fahnenmut­ter Sylvia Haberl, dem Schirmherrn Tiefenbachs Bürgermeister Georg Schmerbeck, dem Kumhausener Gemeindechef Josef Nagl und Pfarrer Clemens Obielu. Um Beistand beim bevorstehenden Fest und speziell um die Übernahme der Patenschaft ba­ten jetzt Zweikirchens Wehrvorsit­zender Andreas Kaltenbacher und in Versform die Festmutter Maria Pirkl.

Einfallsreich und geschäftig zeigten sich die Mädels aus Zweikirchen in ihren „Festlichtblicken", die den Aufwand bei der Auswahl eines „ultimativen Festkleides" schilderten. Bei ihrer 53. Festausschuss-Sitzung wussten sie in 98 Tagesordnungspunkten alle Neuigkeiten über und von der Nachbarswehr Windten. Da­rauf behandelten vier Mann der Patenanwärter Spekulationen rund um die Fahnenweihe aus nachbarlicher Sicht. Immer wieder wurde der fürchterliche Geiz der Zweikirchner erwähnt, die sich angeblich weder ein Festzelt noch neue Kleider für die Festdamen geschweige denn eine Festbraut leisten können.

Einen gebührenden Obulus als Ge­genleistung für das „Ja" als Pate verlangte der Vorstand des Nachbarver­eins Josef Selmannsperger. Die Rede war von mindestens 100 Liter Bier wegen „dem grossen Durst bei der Mordshitze im Saal".

Freundlich stimmen sollte erst einmal die äußerst schlecht eingeschenkte, mit Strohhalmen versehene Maß Bier, die Andreas Kaltenbacher dem jetzt beratenden Team der Windtener servierte. Engelchen und Teufelchen formatierten sich zur Schmeicheleinheit und strichen dem Vorsitzenden Josef Selmannsperger und dem Kommandanten Bernhard Hohenester allerhand Spezereien um die Münder.

Natürlich wurde auch die Tauglichkeit zur Festvorbereitung getes­tet. In punkto Geschicklichkeit wa­ren die uniformierten Zweikirchner nicht zu übertreffen: Der Balanceakt eines rohen Eies durch einen Feuer­wehrschlauch, der Tanz der Männer auf der engen Bühne aber auch der „Bierzutzeleimer" wurde bravourös beherrscht. Drauf setzten die Dorfratschn aus Windten einen heiteren Dialog. Viele anwesende Zwei­kirchner wurden sauber durch den Kakao gezogen.

Endlich rollte ein Fass Bier zur Bühne, auch mehrere Wecken Brot und Geräuchertes in größeren Men­gen entlockte nicht die ersehnte Zusage. Eigens für die Vorstandschaft wurde von den Windtnern eine wür­zige Suppe gekocht. Sägemehl, Gam­melfleisch, Nussbaumblätter und als schmackhafte Einlage getragene Socken sollten Kraft machen für das folgende Scheitlknien. Damit war die allerletzte Bedingung angekündigt.

Kniend auf einem scharfkantigen, mit Sägezähnen präparierten Scheitlholz mussten Festmutter, Schirmherr und Vorstandschaft eine Pfannkuchensuppe löffeln. Zufrieden zeigten die Windtener ein Einse­hen und gaben ihre Zusage für die Übernahme der Patenschaft beim Zweikirchner Fest.

Patenbitten_Scheitlknien
Patenbitten_Windtner_Suppe

Nach dem „Ja" zu später Stunde prosten Festmutter, Schirmherr, Pfarrer und Vereinsvorstände auf ein gelingendes Fest an.

Als   Kräftigung   zum   Scheitlknien kochten die Windtener eine Suppe. 

Die Abmachung wurde sogleich mit einem kräftigen Schluck Hochprozentigem besiegelt und Vorstand Kaltenbacher zapfte mit einem kräf­tigen Schlag den Bantzen Bier an. So fand ein Fest nach alter Traditionen einen schönen, aber auch späten Abschluss.

 

>> weitere Bilder zum Patenbitten <<